“Ernteausfälle: Pommes in Gefahr” titulierte unlängst ein deutscher TV-Sender und wies damit auf die vielerorts unter durchschnittliche Ernte der Erdknollen durch die lange Hitzeperiode hin. Dass die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in Neumarkt angekommen, sehe ich nicht nur an den Maispflanzen, die mir auf einigen Feldern nicht einmal über den Kopf reichten. Vielen Landwirten dürfte in diesem Jahr an Erntedank nicht zum Danken zumute sein. Jesus erzählt in seinem Gleichnis vom Sämann von Erfolg und Misserfolg. Ein Teil der Körner fällt auf gute Erde und bringt überreichen Ertrag, ein anderer Teil aber verendet auf harten Wegen und zwischen Steinen und Disteln. Jesus spricht in dem Gleichnis davon, wie seine Botschaft von den Menschen auf genommen wird und in ihnen wirkt. Aber ich finde: In diesem Gleichnis steckt doch auch die ungeheure Spannung unsres Lebens! Erfahrungen, die wir immer wieder machen: ein Leben zwischen Sehnsucht nach Gelingen und Glück und der Erfahrung von Vergeblichkeit und Enttäuschung.
Und dazwischen die Frage: „Wie will ich mein Leben in diesem Spannungsfeld leben? Wie gehe ich mit Rückschlägen um?“ oder im Gleichnis gesprochen: „Was wird aus der Saat, die ich säe? Säe ich überhaupt, wenn die Ernte ungewiss oder auch fraglich ist?“ Angesichts die ser Herausforderungen und Rückschläge könnte man sagen: „Es ist besser, nicht zu säen, als falsch zu säen.“ Doch dann würde die Ernte ganz sicher ausfallen. Wenn ich das Gleichnis vom Sämann höre, dann sehe ich vor meinem inneren Auge einen Landwirt, der auf Hoffnung hin sät. In weitem Bogen holt er aus und wirft sein wertvolles Saatgut auf den Acker. Und klar: Er weiß um den Weg, die Disteln und den steinigen Boden. Und sicher ärgert er sich auch deswegen und zielt an der einen oder anderen Stelle genauer. Doch er vertraut darauf, dass er am Ende eine gute Ernte einfahren kann – mit Gottes Segen.
Ihre Pfarrerin Stefanie Probst-Wechsler