Die Story beginnt im Jahre 1984 in einem Flüchtlingslager im Sudan. Tausende Juden, Christen und Muslime waren dorthin geflohen vor der katastrophalen Hungersnot in ihrer Heimat Äthiopien. Tausende waren auf dieser Flucht gestorben. Die Überlebenden litten in den „Hungerlagern“ an Unterernährung und Krankheit. Tausende starben noch in diesen Lagern. Die israelische Regierung lässt dann zwischen November 1984 und Januar 1985 etwa 8.000 äthiopische Juden in der geheimen „Operation Mose“ aus diesen sudanesischen Flüchtlingslagern evakuieren und nach Israel ausfliegen.
In diese historische Situation hinein erzählt der rumänisch-französische Filmregisseur Radu Mihăileanu mit seinem Film „Geh und lebe“ die Geschichte eines kleinen christlichen Buben. Als sie die Evakuierung der jüdischen Nachbarfamilien mitbekommt, schickt eine christliche Mutter ihren kleinen Sohn mit den Nachbarn in die Fremde. Sie will sein Leben retten und schickt ihn fort mit den Worten „geh und lebe“.
Radu Mihăileanu erzählt in seinem Film die weitere Kindheit und Jugend dieses kleinen äthiopischen Jungens nach der Trennung von seiner Mutter. Seit er allein auf sich gestellt ist, nennt er sich Salomon. Gerettet und ins Leben geschickt, sucht der heranwachsende Salomon seinen Weg in dieses geschenkte Leben. Er ist dabei das eine Mal verunsichert, und ein andermal ist er jugendlich-trotzig. Die ganzen Jahre über aber leidet er unter der Trennung von seiner Mutter. Trotz allem gelingt es ihm, Medizin zu studieren. Er wird Arzt, heiratet und kehrt zurück in die Flüchtlingslager. Er will helfen, und er will den Menschen finden, der ihn vor Jahren in die Fremde geschickt hat, um ihm das Leben zu retten, und der ihm als letzte Worte mitgegeben hat „geh und lebe“.
Als die Jüngerinnen Jesu am Morgen des dritten Tages nach der Kreuzigung Jesu Leichnam im Grab rituell salben wollten, wurden sie auch weggeschickt. Sie wollten dem toten Jesus eine letzte Ehre erweisen, aber sie werden vom Grab weggeschickt. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“
Wer Gott in Jesus heute begegnen will, findet ihn nicht im Grab und nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart und immer dort, wo Menschen sich in seinem Namen versammeln, und dort, wo Menschen in seinem Geist geholfen wird. Das ist unser „geh und lebe“.
Pfarrer Michael Murner
