Das Evangelische Zentrum

Das evangelische Zentrum in der Kapuzinerstraße 4 ist das Herz der evangelischen Gemeinde Neumarkts und des Dekanats Neumarkt.

In der Christuskirche feiern die evangelischen Christen seit 1855 ihre Gottesdienste. Ab dem Reformationstag 2014 wurde das benachbarte  ehemalige Kapuzinerkloster umgebaut. Am 1. Advent 2016 fand das Eröffnungsfest statt. Seitdem haben  Pfarramt, Dekanat, Bildungswerk und die Jugendarbeit dort ihren Platz gefunden. In den Gruppenräumen kann sich unser vielfältiges Gemeindeleben entfalten und im Klostersaal feiern wir Gottesdienst.

Der damalige Pfarrer Peter Loos fasste die Geschichte des Gebäudes anlässlich der Eröffnung des evangelischen Zentrums zusammen.

 

Vom Kapuzinerkloster zum Evangelischen Zentrum

"Von 1525 – 1626 war die Bevölkerung Neumarkts evangelisch. In beiden Innenstadtkirchen wurde evangelischer Gottesdienst gefeiert. Mit dem 1. Oktober 1621 beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Stadt. Herzog Maximilian von Bayern fordert den Wechsel zur katholischen Kirche. Da es in der Stadt keine kath. Geistlichen mehr gab, wurden Kapuziner für die Neumissionierung geholt. Herzog Maximilian ordnete an, dass alle Evangelischen aus der Stadt fortgeschafft werden müssen.

Grundsteinlegung 1674

44 Jahre waren die Kapuziner schon in Neumarkt, als nach dem Tod von Herzog Maximilian, sein Sohn Kurfürst Ferdinand Maria einen Klosterbau für sie erlaubte. Gleichzeitig mit den Klostergebäuden wurde die Klosterkirche gebaut. Die Grundsteinlegung fand 1674 statt. Zum Kirchenpatron wählte der Orden den Hl. Antonius von Padua.

Im Jahr 1769 öffnete in Bayern Kurfürst Max Josef III. der Aufklärung die Tore und den Bettelmönchen wurde das Betteln verboten. Damit entzog er den Kapuzinern ihre wirtschaftliche Grundlage. Der Neumarkter Kapuzinerorden stand damit vor dem wirtschaftlichen Ruin. Am 10. Juni 1802 feierten die Mönche zum letzten Mal eine Messe in ihrer Kirche.

Streit ums Braurecht

Nach ihrem Abzug wurden Gebäude und Inventar zur Versteigerung ausgeschrieben. Der Kauf der Kirche war an die Bedingung geknüpft, dass in ihr keine religiösen Feiern stattfinden dürfen. Das Braurecht der Mönche auf dem Klostergrundstück erhitzte die Gemüter in der Stadt. 47 brauende Bürger der Stadt wehrten sich dagegen, dass ihnen eine Konkurrenz entsteht So wurde die Klosterbrauerei zu einem Kommun–Malzhaus umgebaut. Die Klosterräume gingen an insgesamt 20 Besitzer, die sie unterschiedlich unter sich aufteilten. Diese unterschiedliche Aufteilung macht uns heute noch Probleme, so dass es uns nicht möglich war, das letzte Drittel zwischen unserem neuen Zentrum und der Christuskirche käuflich zu erwerben.

Die Entsakralisierung der Kirche war überdeutlich. Im Chor wurde eine Feldbäckerei eingeführt und der Kirchenraum diente als Naturalienmagazin. Später wurde sie zu einer bloßen Scheune entwürdigt und in drei Anteile unterteilt.

Der Neumarkter Kupferschmied Christian Conzelmann kaufte 1854 das Mittelstück auf. Die Regierung genehmigte, dass darin fortan für die kleine evangelische Gemeinde unserer Stadt ein Gottesdienstraum eingerichtet werden konnte. Am 3. Adventssonntag 1855 war die Einweihung dieses schlichten Gottesdienstraumes.

20 Jahre Pläneschmieden

Vor fast 2 Jahrzehnten haben wir im Kirchenvorstand damit begonnen, uns Gedanken über ein neues Gemeindezentrum zu machen. Es sollte in der Nähe der Kirche sein. Viele Ideen wurden verworfen und immer neue kamen ins Spiel. Im Mai 2004 war der Turm unserer Christuskirche bis zur Spitze eingerüstet. Damals stand ich mit dem damaligen OB Alois Karl ganz oben auf dem Gerüst. Der OB zeigte hinunter und sagte: „Das da unten, das wäre doch der ideale Ort für euer geplantes Gemeindezentrum“. Wer sich noch daran erinnert, wie das damals aussah, der kann meine Skepsis verstehen. Es war ein riesiger Glücksfall, dass dann die Stadt Neumarkt unter OB Thumann diesen Plan aufnahm und das Architekturbüro Berschneider an Land zog.

Unser damaliger Dekan Dr. Dennerlein ist auf den anfahrenden Zug nicht nur aufgesprungen, sondern hat sich als Lokführer an die Spitze gesetzt.. Die Verantwortlichen im Landeskirchenamt in München waren von unserem Plan begeistert und sagten zu, in den Umbau der ehemaligen Klostergebäude mit einzusteigen. Im Frühjahr 2013 hat der Kirchenvorstand einstimmig beschlossen, von der Stadt Neumarkt das Klostergebäude zu erwerben.

Umbau startet am Reformationstag

Am Reformationstag, 31.10. 2014 war Grundsteinlegung und der Umbau ging zügig voran. Die Stadt Neumarkt hat die ehemalige Klosterbrauerei zu einem großartigen Saal umgebaut, den wir als Kirchengemeinde für die nächsten 15 Jahre gepachtet haben. Die Segnung der Räume am 1. Advent. war für unsere Kirchengemeinde ein großartiges Fest. Seit dem 1. Advent heißt es nun: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“.

Jetzt steht nicht nur unsere Christuskirche, sondern ein Evangelisches Zentrum mitten in der Stadt. Pfarramt, Dekanat, Bildungswerk und die Jugendarbeit haben ihren neuen Platz gefunden. In den Gruppenräumen kann sich unser vielfältiges Gemeindeleben entfalten."