Das Evangelische Zentrum

Gemeindeleben im Evangelischen Zentrum (kurz EZ) - Beispiele

Vom vielfältigen Gemeindeleben, den Begegnungen im EZ zeugt die Auswahl von Fotos und Berichten. Gottesdienste hier zu feiern ist uns sehr wichtig. Eine interessante Webadresse "Gottesdienste feiern" der Evangelischen Landeskirche Bayern gibt umfassende Information zum Thema. 

 

 

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Konfirmanden gestalten den Familiengottesdienst: "Dann bin ich mal der Clown"

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"Was bleibt." - Weitergeben. Schenken. Stiften. Vererben.

Welche Schätze Ihres Lebens möchten Sie weitergeben? Ausstellung, Veranstaltungen und Gottesdienste greifen diese Frage im Januar und Februar 2019 auf.

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Das Evangelische Zentrum in seiner Nutzung

Das Evangelische Zentrum an der Kapuzinerstraße ist das Herz der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Neumarkt i.d.OPf. und des Dekanatsbezirks Neumarkt i.d.OPf.

Anschriften: Kapuzinerstraße 3, 4 und 5 sowie Im Kloster 9, 92318 Neumarkt  > Karte 

Unsere detailierte Unterseite zu seiner Nutzung unter dem Menüpunkt GEMEINDE: Evangelisches Zentrum 

Die Geschichte des Kapuzinerklosters in Neumarkt

von Diakon Ernst Damm

Der Rummelsberger Diakon Ernst Damm war von 1967 bis 2009 Gemeindediakon in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Neumarkt. Seine Arbeitsschwerpunkte waren u.a.: Leiter des Seniorenclubs, Kirchenmusiker und Dekanatskantor bis 2006, Geschäftsführer des Evangelischen Bildungswerkes Neumarkt von 1986 bis 2009, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit für Dekanat, Kirchengemeinde und Diakonie, sowie Internetbeauftragter (Webmaster). In seiner jahrelangen Tätigkeit hat er sich mit der Geschichte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in und um Neumarkt befasst.

Anlass des nachfolgenden Vortrages am 12.01.2006 im Saal des Landratsamtes Neumarkt war das 150-jährige Jubiläum der Evangelischen Christuskirche Neumarkt (vormals Kapuziner-Klosterkirche) im Jahre 2005. Grundlage ist ein Aufsatz des verstorbenen Vorsitzenden des Historischen Vereins Neumarkt Rektor Hans Meier im Jahresbericht des Vereins von 1992, der zum großen Teil wörtlich übernommen wurde. Auf den Streit zwischen Jesuiten und Kapuziner wird nicht weiter eingegangen, über die Corpus-Christi-Bruderschaft nur wenig (näheres: Dr. Ried, Neumarkt). Für freundliche Hilfe danke ich Dr. Präger vom Stadtarchiv und der Familie Seitz, Neumarkt. 

Die Reformation in Neumarkt

Ein Jahrhundert, von 1525 bis 1626, also knapp vier Generationen hindurch, war die Bevölkerung Neumarkts - und zwar auf eigenen Wunsch - evangelisch. Es herrschten geordnete kirchliche Verhältnisse unter Aufsicht einer Superintendentur (= Dekanat), sowie geordnete schulische Verhältnisse. Diese Zeit wird oft als „Wirren in Neumarkt“ bezeichnet. Ich schließe mich den Urteil des ehemaligen Neumarkter Evangelischen Dekans Peter Smolka an: „...damit fördert man die historische Kenntnis über Neumarkt nicht, sondern vernebelt sie“.

Und Hans Meier resümiert: „...von mehrfachem Konfessionswechsel, wie an anderen Stellen der Oberpfalz, kann in Neumarkt nicht die Rede sein. Das erste Mal wechselte die Bevölkerung freiwillig zum Luthertum, während des 30-jährigen Krieges zwangsweise zurück zum Katholizismus. Der Versuch des Calvinismus zur Zwangskonversion ist in Neumarkt nicht gelungen, sondern am Widerstand der Bevölkerung gescheitert“. 

Der Beginn der Gegenreformation in Neumarkt

Friedrich V. war schlecht beraten, als er sich von dem aufständischen Böhmen zum König krönen ließ. Diese Kampfansage an den Kaiser war eine der Ursachen für den 30-jährigen Krieg, der Niederlage Friedrichs in der Schlacht am Weißen Berg in Prag 1620, und des Verlustes der Oberpfalz, denn der Bayernherzog Maximilian forderte diese ein und erhielt sie als Ersatz für seine Kriegskosten. Mit dem 11. Oktober 1621 begann dann auch ein neues Kapitel in der Geschichte der Stadt Neumarkt. Herzog Maximilian von Bayern zog in die Stadt ein und nahm sie de facto in Besitz. Eine fast 300-jährige Zugehörigkeit der Oberen Pfalz zur Kurpfalz fand damit ihr Ende. Ändern musste sich jetzt auch die Konfession der Untertanen. Nun sollten sie wieder zur katholischen Kirche zurückkehren. Das Werk der Rekatholisierung wurde schrittweise, doch wohlüberlegt angefangen, wurde doch Herzog Maximilian erst 1628 reichsrechtlich der Herrscher über die Oberpfalz. Doch begannen seine religionspolitischen Maßnahmen bereits 1621. Dekan Ausmolk dazu: „Die Bestimmungen des Westfälischen Friedens schrieben eine Wiederherstellung der konfessionellen Verhältnisse des Normaljahres 1624 vor; danach hätte die Oberpfalz evangelisch bleiben müssen! Was aber scherte sich ein Maximilian darum, dass nun Friede herrschte, und vertragliche Vereinbarungen einzuhalten waren. Er drohte kurzerhand mit der Wiederaufnahme des Krieges, und der Kaiser, ebenso wie alle anderen Vertragspartner, beugten sich der Erpressung“.

Da keine katholischen Geistlichen zur Verfügung standen übernahmen Ordenspriester die Neu-Missionierung. In Neumarkt besetzten im August 1625 die Jesuiten die Hofkirche, während an der Pfarrkirche für kurze Zeit noch ein Simultaneum bestand, das den Evangelischen nur bis acht Uhr morgens das Gotteshaus einräumte. Für die am 1. Januar 1626 aufgehobene Bürger- oder Stadtschule wurde am 30. Mai 1626 die Jesuitenschule eröffnet (ein paar Jahre später gab es auch eine Kapuzinerschule). 1626 ordnete Maximilian an, nunmehr „alle evangelischen Prädikanten ohne Ausnahme fortzuschaffen, denn der Patres Mühe, Mandat und Strafen seien umsonst, solange noch Prädikanten im Lande“. Die Ausgewiesenen gerieten, jetzt ohne Einkommen, in die ärgste Notlage. Von unerschütterlichen Männern wird gar manches erzählt. So z.B. „Der 1624 vertriebene Inspektor Murr, der an beiden Kirchen gepredigt hatte, ist nach Hessen, sein Weib starb unterwegs, er selbst wurde ausgeplündert, schrieb aber an einige Neumarkter, nicht vom Glauben abzuweichen“. 1626 wurde die lutherische Superintendentur (= Dekanat) aufgelöst. 1629 waren erst 50 Familien katholisch geworden. Noch für 1648 ist die Abhaltung evangelischer Gottesdienste in der Hofkirche dokumentiert. Das zeigt, dass trotz allem viele standhaft geblieben waren, sonst hätte nicht 1655 die endgültige Ausweisung der noch übrig gebliebenen Evangelischen verfügt werden müssen.

Bei der Rekatholisierung wurden die Jesuiten durch vier wohl qualifizierte Kapuzinerpatres unterstützt, die von ihrer Ordensleitung in die Oberpfalz geschickt wurden. Herzog Maximilian, der um diese Unterstützung gebeten hatte, wollte sie in Amberg stationieren, aber die Regierungsbeamten in Amberg entschieden sich für Neumarkt als den künftigen Wirkungsort. Daraufhin wurde eilig das Haus des calvinistischen Hofpredigers neben der Hofkirche gesäubert und getüncht. Am 17. September 1627 feierten sie in der Hofkirche ihren ersten Gottesdienst und nahmen dann ihren Dienst auf. Schon nach wenigen Monaten kam es zu ersten Differenzen und Missverständnissen zwischen Jesuiten und Kapuzinern, die – wie Hans Meier schreibt – „das Bekehrungswerk gefährlich belasteten“. Diese Ärgernisse endeten erst, als die Jesuiten 1629 nach Amberg abzogen, als Kurfürst Maximilian einen weltlichen Pfarrer für Neumarkt erlaubte.

Selbstverständnis des Kapuzinerordens

Der Name des Ordens leitet sich ab von der eigenartigen Mönchskappe, der Kapuze; sonst aber trugen die Mönche genau dieselbe Ordenstracht wie die Franziskaner, und dies nicht von ungefähr. Ihre Gemeinschaft war nämlich aus dem Franziskanerorden hervorgegangen. Als zu Beginn des 16. Jahrhunderts einige Minderbrüder gefürchtet hatten, die Ideale ihres Ordensvaters Franz von Assisi würden nicht mehr in seinem Sinne verwirklicht, spalteten sie sich um 1525 als Reformgruppe mit strengeren Regeln von der franziskanischen Gemeinschaft ab und fanden sich, nicht ohne Schwierigkeiten, im Orden der Kapuziner zusammen. Indes teilten und teilen sie noch immer zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem Mutterorden. Eine auffallende Äußerlichkeit ist die Bartpflicht der Kapuziner. Die Kapuziner sind, wie die Franziskaner auch, Bettelmönche. Ihre Klöster besitzen keine Ländereien. Ihre wirtschaftliche Basis ist weder durch eine ertragreiche Landwirtschaft, noch durch Zehentabgaben der Klosterbauern gesichert. Ihr Lebensunterhalt ist, neben den Einkünften aus der Seelsorge, ganz auf Spenden und auf den Bettel angewiesen.

In jedem Kapuzinerkloster gab es Patres (Priester), Kleriker (angehende Theologen) und Laienbrüder (meist Handwerker). Geleitet wurde es von einem Guardian, dessen Amtsperiode nach jeweils drei Jahren erlosch. Die Predigt nimmt im Apostolat des Ordens einen hervorragenden Platz ein. Nicht zufällig sind aus seinen Reihen zahlreiche wortgewaltige Prediger hervorgegangen. Viel Aufmerksamkeit widmeten sich die Mönche auch den Werken der Barmherzigkeit: Sie standen Kranken und Sterbenden bei, sie speisten die Hungrigen an der Klosterpforte, sie besuchten die Gefangenen. Weder die Pest, noch andere Seuchen hinderten die Ordensleute in ihrem selbstlosen Einsatz für die Siechen. Ihr seelsorgerlicher Einsatz in Neumarkt war natürlich eingespannt in den geistigen Rahmen jener Zeit, waren doch die Kapuziner die Avantgarde der Gegenreformation. Deshalb orientierte sich Predigt und Seelsorge vornehmlich an Themen, die durch die vorausgegangene Reformation besonders belastet waren. Die katholische Abendmahlslehre, die göttliche Realpräsenz in der verwandelten Hostie, eucharistische Frömmigkeit waren ein Schwerpunkt ihrer Verkündigung. Der Ablass, damals Auslöser der Reformation, spielte besonders als geistliche Hilfe für die Verstorbenen wieder eine beachtliche Rolle in der Volksseelsorge.

Geschickt verstanden es die Kapuziner, sinnfällige Frömmigkeitsformen in den jungen Kirchengemeinden einzuführen. Sie stießen beim breiten Volk auf wachsende Zustimmung. Lichterprozessionen, Wallfahrten, geistliche Spiele, Bilder- und Reliquienverehrung waren bewährte Elemente bei der Rekatholisierung. Auch volksfrommes, hergebrachtes Brauchtum wurde wieder praktiziert, ungeachtet der Tatsache, dass nicht selten das ungefilterte Brauchtum wie ein Bremsklotz wirken konnte bei dem Bemühen um eine zeitgemäße Verkündigung der religiösen Wahrheiten. In ihrem Seeleneifer nährten die Kapuziner mit Absicht den Wunderglauben des Volkes, verstiegen sich mitunter zu Erklärungen, die theologisch zumindest bedenklich waren. Ein Marienbild, das Pater Dominikus 1629 von einem Protestanten gekauft hatte, wurde als „wundertätiges Marienbild“ Sammelpunkt marianischer Wallfahrten. Das rasche Erlöschen einer Feuersbrunst führte man auf das wundersame Eingreifen der Bistumspatronin St.Walburga zurück, nachdem Pater Ulrich ein Büchslein mit Walburgisöl in die Flammen schleuderte. Ein gefundenes Schädelstück im Rathaus wurde nur deshalb nicht als Hirnschale des Heiligen Johannes des Täufers verehrt, weil Kurfürst Maximilian sich solchem Ansinnen widersetzt hatte. 

Die Corpus-Christi-Bruderschaft

Aufschlussreichen Einblick in die Methoden und Gewichte der Kapuziner-Seelsorge gewähren uns die Rechnungsbücher der hiesigen Corpus-Christi-Bruderschaft. Die Mönche waren noch kein ganzes Jahr in Neumarkt, da wurde schon die genannte Bruderschaft hier am 12. Juni 1628 gegründet. Sie war den Patres ein äußerst hilfreiches Instrument bei der Bewältigung ihrer Missionsaufgabe im Rahmen der Gegenreformation. Der formelle Gründer der Bruderschaft war freilich Kurfürst Maximilian selber, denn alle religiösen Neuerungen in der Oberpfalz bedurften seiner persönlichen Zustimmung. Dieses fürstliche Gründungspatent konnte der Bruderschaft später, im Jahr 1786, das Überleben sichern, als alle Bruderschaften ohne landesherrliche Genehmigung verboten wurden.

Die Corpus-Christi-Bruderschaft Neumarkt ist eine Gebetsgemeinschaft zur Förderung der Verehrung des Allerheiligsten Sakramentes des Altares. Sie wird getragen von der Pfarrei "Zu Unserer Lieben Frau" in Neumarkt. Dr. Dominikus Fasing, Stadtarzt und Magistrat, ein großer Förderer des religiösen Lebens in Neumarkt, führte 1733 in der Hofkirche in der Zeit vom Faschingssonntag bis Faschingsdienstag das sogenannte 40-stündige Gebet ein, das bis heute gepflegt wird. Sämtliche geistlichen Verrichtungen dieser Corpus-Christi-Bruderschaft lagen von der ersten Stunde an in den Händen der Kapuziner. Sie stellten auch den jeweiligen Präses. Er gab die geistlichen Impulse für die vielfältigen Aktionen der Bruderschaft, deren Mitglieder nicht nur aus der Stadt, sondern auch aus den umliegenden Ortschaften kamen. Die Bruderschaft war die eigentliche „geistliche Gemeinde“ der Kapuziner, denen bekanntlich eine normale Pfarrei im kirchenrechtlichen Sinn verwehrt blieb.

Im Laufe des Kirchenjahres gab es drei zeitliche Schwerpunkte für gesteigerte Aktivitäten der Bruderschaft. Da war einmal die Fastenzeit mit der Karwoche als Höhepunkt, eine Zeit der Besinnung, der Buße, der Umkehr. Ziel der Bemühungen war die Rückführung des Volkes zum katholischen Bußsakrament. Wirksames Mittel, die abgestumpften Gemüter zu reuevoller Haltung zu bewegen, waren die Passionsspiele, die bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Neumarkt eingeführt wurden. Leider arteten sie in den folgenden Jahrhunderten zu sehr ins Oberflächliche aus, sodass sie von Kurfürst Max II. erheblich eingeschränkt und schließlich 1772 sogar verboten wurden. Auch das Bistum Eichstätt verbot 1766 religiöse Spiele. Unter dem Präses German Mayr wurden im Jahre 1922 die Spiele wiederum belebt. Die Zeitwirren des Zweiten Weltkrieges verhinderten eine weitere Pflege. Erst 1959 gelang eine Erneuerung der Passionsspiele. Weitere Aufführungen folgten in den Jahren 1964, 1984, 1989 und 1999. Die nächsten Passionsspiele werden voraussichtlich 2009 stattfinden.

Viel Zulauf nach Neumarkt brachten Jahr für Jahr die Karfreitags-Prozessionen, Zulauf auch aus dem nichtbayerischen Umland, aus dem evangelischen Franken und der Reichsstadt Nürnberg. Bei der Prozession wurden Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dargestellt, oftmals durch lebende Personen. Obwohl die geistliche Zensurbehörde in München für diese Prozessionen nur gemalte Szenen erlaubt hatte, erbettelte der Bruderschafts-Präses noch 1772 vom hiesigen Schultheiß das Zugeständnis, die Bilder in althergebrachter Weise, also durch Personen, darstellen zu dürfen. Ein  gegenreformatorisches Anliegen lag auch den seelsorgerlichen Bemühungen im Allerseelen-Monat November zugrunde. Die Theologen der Reformation hatten die Vorstellung „Fegefeuer“ aus ihrer Verkündigung gestrichen. Grund genug für die Kapuziner, die Möglichkeit frommer Zuwendung an verstorbene Angehörige vermehrt in Predigt und Gottesdienst aufzunehmen. Volkssage und Brauchtum kamen den Bemühungen der Mönche weit entgegen, wenn sich auch in einfachen Gemütern nicht selten heidnische Elemente mit christlichem Gedankengut vermengten.

Bedeutende Ereignisse im Jahresprogramm der Bruderschaft waren auch die jährlichen Wallfahrten, sichtbare Manifestationen wiedergewonnener Katholizität. Die Wallfahrtsziele wechselten von Jahr zu Jahr. Eingeleitet wurde die Folge bereits am 20. Mai 1628, also eine Woche nach Gründung der Bruderschaft, durch eine Wallfahrt nach Brettbrunn, nördlich von Ingolstadt, rund 42 km von Neumarkt entfernt. 

Die Errichtung des Klosters

44 Jahre waren schon verstrichen seit die Kapuziner ihren Dienst in Neumarkt aufgenommen hatten, harte ereignisreiche Jahre, angefüllt mit Krieg, Hunger und Pest. Und noch immer wohnten die Mönche in dem kleinen Haus bei der Hofkirche. Bis unter das Dach war es gefüllt, denn mittlerweile war die Ordengemeinschaft auf acht Personen angewachsen. Der versprochene Klosterbau aber ließ noch immer auf sich warten. Erst 20 Jahre nach dem Tod des Kurfürsten Maximilian ging sein Sohn und Nachfolger, Kurfürst Ferdinand Maria, daran, das Versprechen des Vaters einzulösen, den Klosterbau in Neumarkt endlich in die Tat umzusetzen.

Johann Wilhelm Culler, damals Schultheiß zu Neumarkt, erhielt im Dezember 1671 den gnädigen Befehl, einen geeigneten Platz für ein ruhiges Klösterlein zu ermitteln. Nun lag da im Osten der Stadt, jenseits des Stadtgrabens, der ehemalige Hofgarten. Noch immer in staatlichem Besitz hatte er mit dem Abzug der Residenz längst seine einstige Bestimmung verloren. Wohl war er dem Schultheißen zur Nutznießung überlassen, doch in der Schwedenzeit hatte der Garten seine höfische Pracht verloren. Zurück blieb eine verfallene Feldschanze, wo die Weißgerber ihre im Schlossweiher gegerbten Häute auslegten. Diesen Platz, abgesetzt vom Lärm und Trubel der Stadt, empfahl der Schultheiß dem Kurfürsten als ideale Klosterstätte. Die städtische Wasserzuführung über die „Brunnleite“ (später: Brunnleitstraße) würde die Wasserversorgung der Mönche gewährleisten, und schließlich wäre besagter Platz nicht eingeengt durch angrenzende Nachbarn, sodass das Kloster, zunächst für 14 Religiosen gedacht, bei Bedarf jederzeit erweitert werden könnte. Den einzigen Schönheitsfehler seines Vorschlages sah natürlich der Schultheiß auch: die ungeschützte Lage außerhalb der bergenden Stadtmauern. Darum fügte er seinem Schreiben eine Liste bei, wie die Sicherheit der Mönche vollkommen garantiert sei. An einer mehrfach abgeschirmten Stelle ließe sich ohne große Gefahr ein schmales Stück der Stadtmauer herausbrechen, ein hölzerner Laufsteg, nur vier Werkschuh (= ca. ein Meter) breit, müsste den Stadtgraben überspannen. In besseren Zeiten könnte man schließlich das ganze Kloster ohne große Unkosten in die städtische Verteidigungslinie einbinden.

Kaum hatte die Stadtregierung Kunde von dem Vorschlag erhalten, da traten schon Ratsherren und Bürgerausschuss zusammen, um beim Kurfürsten untertänigst gegen obige Empfehlung zu protestieren. Auf keinen Fall durfte das Kloster außerhalb der Stadt entstehen. Man wusste eine billigere Alternative. Bürgermeister und Rat boten als Klosterstätte den Platz zwischen Schloss und Zeughaus, also den heutigen Residenzplatz, an. Sie führten dem Kurfürst die Nähe der Hofkapelle vor Augen, in der die Patres ihre Tätigkeit begonnen hatten. Erst durch die Kapuziner entwickelte sich ja besagte Hofkapelle zu einer viel besuchten Wallfahrtskirche. Wie schade, wenn durch ein zusätzliches Gotteshaus sie ihren hohen Rang in der Bürgerschaft verlöre! Umgekehrt verstanden es die Briefschreiber auch, die Gefahren eines eventuellen Stadtmauer-Durchbruchs in den schwärzesten Farben zu schildern. Wäre nicht auch der Bürgerstolz verletzt, wenn der Schlüssel zu dem geplanten Türlein ausgerechnet im Schultheißen-Haus hinterlegt werde? Die Bürgerschaft beugte sich keineswegs unter das Dominikat des Schultheißen. Zuletzt ließen die Räte in ihrer Petition gar noch durchblicken, dass ihre Stellungsnahme nicht ganz selbstlos war. Dem bürgerlichen Gewerbe würde ein Merkliches entzogen, wenn einmal die ländlichen Klosterbesucher ihren Weg nicht mehr durch die Stadt nähmen. Gedacht war speziell an den verminderten Bier- und Brotverbrauch.

Die Bedenken und Argumente der Stadtväter fielen beim Kurfürsten nicht ins Gewicht. Das Kloster wurde in den ehemaligen Schlossgarten gebaut. Die Fuhrleute benutzten die Burgruine Wolfstein als Steinbruch und holten daraus das Baumaterial. Die Stadt zahlte großmütig den Hafer für die Zugpferde. Sie willigten auch ein, dass die Bauhölzer in den städtischen Sägen zugeschnitten wurden. Sonst aber verhielt sie sich bei den finanziellen Zuschüssen zugeknöpft. Lediglich beim Bau der Klosterkirche steuerten die Gemeindekassen der milden Ämter 150 Gulden bei, sozusagen aus Dankbarkeit für erwiesene Wohltaten der Mönche gegenüber Armen und Kranken. Mit kurfürstlicher Genehmigung durfte auch eine gerettete Glocke der zerstörten St. Anna-Kirche den Kapuzinern überlassen werden, zumal keine Aussicht bestand, St. Anna in absehbarer Zeit neu aufzurichten.

Ganz konnten die Ratsherren ihren Unmut über den Klosterbau jenseits der Stadtmauer nicht hinunterschlucken. Der Kloster-Superior musste es im Winter 1677 deutlich spüren. Die vorhandenen Geldmittel für den Neubau waren ihm schon „ziemlich" entgangen. Darum bat er den ehrbaren Rat, die notwendige Maueröffnung und deren zukünftige Erhaltung finanziell zu übernehmen. Doch da kam er an eine falsche Adresse: „Nachdem der Bau wider unsere Intention außer der Stadt gesetzt wurde, werden wir uns um den Durchbruch am allerwenigsten annehmen“. So mussten die armen Mönche die 700 Gulden für diese Baumaßnahme zusammenbetteln. Damit der mit vielen Mühen und Opfern vorangetriebene Klosterbau nicht kurz vor der Vollendung eingestellt werden musste, schaltete sich der Kurfürst noch einmal ein. Er befahl der Stadt Neumarkt, den Herren Kapuzinern für ihren Bau 200 Gulden darlehensweise vorzuschießen, zinslos zwar, aber auf Wiedererstattung. Das geschah am 26. April 1677. Fünf Monate später wurde das Kloster eingeweiht.

Die Kapuzinerkirche

Erst jetzt war aus dem bescheidenen Missionshospiz ein regelrechtes Kapuzinerkloster mit einem Konvent geworden, eine kleine Gemeinschaft anfangs, kaum lebensfähig, hatte der Orden doch noch während der Bauzeit vier Priester verloren, Opfer einer in Neumarkt wütenden Fleckfieber-Epidemie. Gleichzeitig mit den Klostergebäuden wurde die Kirche gebaut. Die Grundsteinlegung fand 1674 statt. Als Baumeister nennen die Quellen einen Pater Nikolaus aus München, der zwanzig Jahre vorher auch die Klosterkirche zu Burghausen entworfen hatte. Die schlichte Kirche hatte keinen Turm, wohl aber einen Glockenturm, campanula genannt. Angefügt war eine Marienkapelle.

Zum Kirchenpatron wählte der Orden den heiligen Antonius von Padua. Dieser Heilige, Portugiese von Geburt, hatte als Franziskaner-Priester an der Universität Bologna gelehrt, wurde aber viel berühmter als Prediger. Neben dem Marienaltar stand in der Kirche auch ein Seitenaltar zu Ehren des Ordensvaters Franz von Assisi. Ein weiterer Altar soll dem Kapuziner-Laienbruder Felix von Cantalice gewidmet gewesen sein. In die Marienkapelle stellte man auch das „wundertätige Marienbild“, das in der Hofkirche vorzüglicher Gegenstand neu entfachter Marienverehrung geworden war. Mit seiner Übertragung in die Klosterkirche büßte die Hofkirche ihren Rang als Wallfahrtskirche ein. Die Kirchweihe fand am 3. Oktober 1677 durch Weihbischof Wilhelm Benz von Eichstätt statt. 

Die Bettelmönche

Auch nach dem Bau des Klosters änderte sich die wirtschaftliche Lage der Mönche nicht grundlegend. Sie konnten aus keinem Stiftungsfond schöpfen, der Konvent hatte nie ein gesichertes Einkommen. Die Kapuziner waren arm, bettelarm in des Wortes wahrer Bedeutung, ganz im Sinne ihres Ordensgründers. In den ersten Jahren ihres Wirkens in Neumarkt bezogen sie aus der Kasse der staatlichen Hofkirche jährlich 75 Gulden Bargeld und 40 Metzen Korn (ca. sechseinhalb Zentner), sozusagen als Vergütung für die geistlichen Verrichtungen in der Hofkirche. Als 1636 der Fürstbischof von Eichstätt mit der Verwaltung dieser Kasse beauftragt wurde, übernahm er auch die bisherige Verpflichtung gegenüber den Kapuzinern. Er genehmigte allerdings die Vergütungen jeweils nur für sechs Jahre. Mit diesen Geldern war freilich kaum der halbe Unterhalt gedeckt.

Gerade in den nicht seltenen Hungerjahren kamen fast täglich Hunderte von Personen an die Klosterpforte und baten um ein Stücklein Brot, sodass die hilfsbereiten Mönche oft selber in äußerste Not gerieten. Nach dem Tod des Kurfürsten Max III. Joseph ging Eichstätt daran, sich von den Zahlungen an die Neumarkter Kapuziner zu lösen. Darum wandten sich die bedrängten Mönche an den neuen Landesherrn in München, an den Kurfürst Karl Theodor: „...also fallen wir arme Kapuziner Eurer kurfürstlichen Durchlaucht zu Füßen, demütigst bittend, Höchstdieselbe mögen in huldreicher Erwägung unserer Umstände geruhen, die vorerwähnten 75 Gulden Geld und die 40 Metzen Korn fürderhin gnädigst bewilligen...“. Der Kurfürst erhörte die Bitte und wies sein Rentzahlamt in Amberg an, 150 Gulden für die sonntäglichen Predigten und Messen, dazu noch 15 Gulden wegen der gehaltenen „Christenlehre“, nach Neumarkt zu überweisen. Allerdings schränkte er seine Großzügigkeit gleich wieder ein durch die Feststellung, „...dass man hofkammerseits bewogen worden, ...die mildest bewilligten Gaben nur fürs nächste Jahr noch mal passieren und fortreichen zu lassen“.

Überhaupt, so stellt Hans Meier fest, fällt beim Studium der Akten auf, dass die Gewährung von Zuschüssen immer nur für ein oder zwei Jahre, ganz selten für drei Jahre, gegeben wurden. So findet man in den Aktenstößen viele fast gleich lautende Bittgesuche, unterschieden lediglich durch Datum und Unterschrift. Unter Kurfürst Karl Theodor kam es dann doch besser als zunächst befürchtet. So gewährte er dem Neumarkter Konvent eine Reihe von Gratialien, das sind dankbare Erkenntlichkeiten in Form von Naturalien, als da sind: 60 Ster Brennholz, eine Scheibe Salz (= ca. eineinhalb Zentner), ein Zentner Schmalz, vier Zentner Gerste, fast ebenso viel Korn. Die festen Zusagen an Naturalien hatten den Vorteil, dass sie unabhängig vom wechselnden Preis gereicht wurden, wichtig in Zeiten, in denen sich der Getreidepreis von Jahr zu Jahr geradezu verdoppeln konnte. Die Gewährung der Hilfen erwiesen sich leider schon in normalen Zeiten als „für das Sterben zu viel, für das Leben aber recht, recht wenig“. Nun kamen aber stets noch unvorhersehbare Belastungen dazu, für die im kargen Klosteretat keine Mittel eingeplant waren. So musste der jeweilige Guardian oft seinen Federkiel spitzen und Bettelbrief um Bettelbrief loslassen.

Um einige Beispiele aufzuzählen:

  • Das wurde ein Pater schwer krank, lag monatelang darnieder. Der Apotheker lieferte Medikamente. Geholfen haben sie vielleicht wenig, aber sie mussten bezahlt werden. Ein umständlicher Briefverkehr war notwendig, um die lächerliche Rechnung begleichen zu können.
  • Bei der Rekatholisierung lehrten die Patres den Gläubigen wieder das Rosenkranzgebet. Doch niemand hatte Rosenkränze. Ein inständiger Bittbrief an Kurfürst Maximilian brachte Abhilfe. Er spendete 500 Rosenkränze für die Neumarkter Bevölkerung.
  • Im Jahre 1719 brachen Diebe über die Sakristei in die Kirche ein, nahmen Ziborium und anderes Kirchengerät mit, sprengten sogar den Tabernakel auf. Um eine Wiederholung solchen Frevels zu vermeiden, wollten die Mönche ihr Kirchlein durch Eisengitter sichern. Eisenstäbe und Nägel mussten vom Kurfürsten erbettelt werden.
  • Im Spanischen Erbfolgekrieg zerstörten feindliche Soldaten den Steg zum Klostertürl, den die Patres unter großen Opfern hatten erbauen lassen. Es dauerte Jahre, bis nach viel Papierkrieg die Brücke neu erstand.
  • Auch das kam vor: 1786 fanden die Mönche ein Findelkind vor ihrer Pforte. Wer sollte es übernehmen? Endlich fanden die Ordensleute eine Ziehmutter für den Säugling, allerdings nicht zum Nulltarif. Briefe an den Kurfürsten und entsprechende Antworten wechselten hin und her. Als endlich der Staat die Kosten von 50 Gulden pro Jahr zu übernehmen bereit war, war das Kind schon tot.

Auf die Kapuziner ließ sich also das Modeschlagwort von den „reichen Klöstern“ nie anwenden.

Auch die Stadtgemeinde Neumarkt mit ihren verschiedenen Ämterkassen strengte sich an, die offensichtliche Armut des Konvents zu mindern:

  • Das Almosenamt schenkte dem Kloster jedes Jahr zur österlichen Zeit ein Kalb.
  • In regelmäßigen Abständen lieferte die Stadt den Bettelmönchen Brennholz „in Ansehung der bei Tag und Nacht den Kranken geleisteten Dienste“.
  • Die Stadtkasse bezahlte Chorlichter und Baumöl für das „Ewige Licht“.
  • Wollte ein mittelloser Sohn der Stadt in den Kapuzinerorden eintreten, so übernahm die Gemeinde die Zahlung des „Kuttengeldes“, erforderlichenfalls auch das Reisegeld.
  • Bürgermeister und Rat rechneten es sich zur hohen Ehre an, Klosterbesuch durch geistliche Würdenträger auf ihre Kosten zu bewirten, und dies niemals kleinlich.
  • Zur Kräftigung erhielten die Ordensleute von der lokalen Weißbier-Sozietät jährlich etwa 600 Liter Almosenbier, auch dann noch, als auf Klostergrund ein Brauhaus für Gerstenbier erstand.
  • Das Kastenamt lieferte gewöhnlich das Stroh zur Füllung der Strohsäcke, das Forstmeisteramt spendierte jedes Jahr einen Hirschen. 

Sturmzeichen des drohenden Unheils

Eine Geistesbewegung, von Westen kommend, schwappte über Europa hinweg, rüttelte an überkommenen Denkstrukturen. Höher als Tradition und Autorität stellte sie die Vernunft, die einzige Meßlatte, mit der alle geistigen Werte gemessen werden sollten. Wir nennen diese Bewegung jetzt die Aufklärung. In Bayern öffnete Kurfürst Max III. Joseph der Aufklärung die Tore. Da erging 1764 das Amortisationsgesetz. Es verbot den Klöstern, Schenkungen im Wert von mehr als 2000 Gulden entgegenzunehmen, einerlei, ob es sich um Geld oder Grundstücke handelte, ob Jahrtagsstiftungen, Hinterlassenschaften. Für einen Bettelorden war dieses Gesetz einschneidend schmerzlich.

Schlimmer noch war das sogenannte Bettelordenmandat von 1769, das schlichtweg den Bettelmönchen das Betteln verbot. Die Begründung: „Wir haben in reiflicher Erwägung gezogen, dass nichts dem Geiste regelmäßiger Disziplin mehr im Wege steht, als das Herumvagieren und Betteln derjenigen Religiosen, die man Mendikanten nennt. Die Zerstreuung des Geistes, ein unordentliches Leben, der Ekel an der Einsamkeit, sind notwendige Folgen von diesem Bettel, die dem Orden selbst Verachtung und unsrer heiligen Religion von Seiten ihrer Feinde Gespött und Derision zuziehen“. Diese Stoß-ins-Herz-Politik war also, ernsthaft oder nicht, religiös begründet. Der Neumarkter Kapuziner-Konvent stand vor dem wirtschaftlichen Ruin, hätte nicht der Kurfürst selbst in den nächsten Jahren, wenn auch nur „pro tempoe“ (= für jetzt), sein hartes Mandat schrittweise zurückgenommen, zumindest gegenüber den reinen Bettelorden. Äußerer Anlass waren vielleicht die Missernten von 1770 bis 1773, die Hungersnot und Teuerung zur Folge hatten.

Für jedes Kloster wurde nun auch ein Kollekturbezirk abgegrenzt. Der Konvent Neumarkt, damals etwa 27 Mitglieder zählend, erhielt einen Bezirk sechs Gehstunden lang und fünf Gehstunden breit. Er erbrachte im Jahre 1788 etwa 32 Zentner Gerste, neun Zentner Schmalz, 7000 Eier, auch dreieinhalb Zentner Schafwolle. Die Staatsmacht scheute sich auch nicht, in die ureigensten Angelegenheiten der Orden hineinzuregieren, so die Herabsetzung der Klosterangehörigen und die Aufnahme neuer Kandidaten.

Auch der Nachfolger, Kurfürst Karl Theodor, war der Arbeit der Kapuziner nicht wohlgesonnen. Er ging gegen die „geschmacklosen Karfreitagsprozessionen“ – so seine Ausdrucksweise – vor, wandte sich gegen „überflüssige“ Wallfahrten und Andachten, und reduzierte mit päpstlicher Erlaubnis die über 100 religiösen Feiertage auf gerade noch 18. Die damaligen Bischöfe von Regensburg vertraten ebenfalls viele Zielsetzungen der Aufklärung. Sie verboten Passionsspiele und längere Bittgänge, untersagten den Predigern, an den Wallfahrtsorten von wunderbaren Gebetserhörungen zu erzählen.

In all diesen oberhirtlichen Weisungen steckte verborgene oder offene Kritik an den Seelsorge-Methoden der Kapuziner. Durch staatliche Erlasse und Maßnahmen, begleitet von einer klosterfeindlichen Publizistik, von anonymen Flugschriften und freisinnigen Zeitungen, kündigte sich schon Jahrzehnte vorher die Säkularisation an. 

Die Auflösung des Neumarkter Kapuzinerklosters

Durch den Friedensvertrag von Luneville am 9.2.1801 schob sich die deutsche Westgrenze an den Rhein zurück. Die von der neuen Grenzziehung betroffenen Fürsten, zu denen auch Bayerns Kurfürst Max IV. Joseph gehörte, sollten ihre Gebietsverluste ausgleichen auf Kosten geistlicher Territorien inmitten ihrer Herrschaftsgebiete. Näheres sollte ein Reichsgesetz regeln. Der Kurfürst konnte den Erlass nicht abwarten. Bereits am 10.9.1801 erschien in einer Denkschrift sein erster Klosteraufhebungsplan. Triebfeder dieses überstürzten Vorgehens war der führende Minister Maximilian Freiherr von Montgelas. Amtliche Grundlage für die Klosteraufhebung war schließlich die kurbayerische Instruktion vom 25. Januar 1802, die nie veröffentlicht wurde. Darin heißt es: „Die Fortpflanzung des Aberglaubens und der schädlichen Irrtümer verhinderten die Entstehung und Entwicklung richtiger Begriffe der moralischen Bildung im Volke. Die fortdauernde Existenz der Medikantenklöster ist schädlich für die Bürger“. Damit war das Todesurteil über die Franziskaner- und Kapuzinerklöster in Bayern gesprochen. Die beiden Orden wurden zwar nicht verboten, sie wurden bis zum Aussterben geduldet.

Trotz aller Geheimnistuerei erfuhren die Neumarkter Bürger sehr bald, dass die Tage auch ihres Klosters gezählt waren. Die Bevölkerung war bestürzt. Eine Deputation angesehener Bürger reiste deswegen nach München, den Kurfürsten zu bitten, die beliebten Kapuziner gnädigst in Neumarkt zu belassen, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen. Ihr Ansuchen fand kein Gehör. Ganz anders reagierte der hiesige Pfarrer Max August Freiherr von Egkher. In seiner Antwort auf ein Schreiben des kurfürstlichen Geistlichen Rates vom 15. März 1802 schlug er vor, die Kapuziner ja nicht in Neumarkt zu lassen. Ihr Einfluss im Beichtstuhl sei schädlich; durch sie würde das Volk gegen die landesherrlichen Befehle aufgehetzt, der Weltpriesterstand herabgesetzt, das Wesentliche der Religion veräußerlicht.

Am 10. Juni 1802 feierten die Neumarkter Mönche zum letzten Mal in ihrer Klosterkirche die Messe. Trotz der frühen Morgenstunde war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Bevölkerung hatte nicht vergessen, was die Ordensleute für sie und ihre Kranken getan hatten. Trotz der allgemeinen Not war die Bürgerschaft damit einverstanden, jedem Mönch ein Reisegeld von 5 Gulden und 30 Kreuzer zu geben. Die Stadt stellte auch das Fuhrwerk zur Verfügung, das ihre dürftigen Habseligkeiten nach Altötting fortschaffte. 

Der Verkauf der Kapuziner-Realitäten

Nach dem Abzug der Mönche wurden Inventar und Gebäude des Kloster-Komplexes geschätzt und zur Versteigerung ausgeschrieben. Die Kirchengeräte konnten bereits im Sommer 1802 veräußert werden. 195 Bände der Klosterbibliothek wanderten in die Münchner Hofbibliothek, der Rest, nach Aussonderung aller Bücher widersinnigen und abergläubischen Inhalts, in die Kapitelsbibliothek des Stadtpfarrers Freiherr von Egkher. Sie befinden sich als eigener Bestand heute in der Universitätsbibliothek Eichstätt. Ein Beichtstuhl soll sich in der Herz-Jesu-Kirche bei Velburg befinden. Ein Kruzifix und eine Marienfigur befinden sich in einer kleinen katholischen Kirche in der Nähe von Neumarkt. Ein erster Versteigerungstermin am 23.3.1803 platzte, weil an den Kauf der Kirche verschiedene Bedingungen geknüpft waren. Sie durfte künftig unter keinen Umständen für religiöse Dienste verwendet werden. Sogar das Andenken an die toten Mönche sollte ausradiert werden. Ihre Gruft, wahrscheinlich ein Gewölberaum unter dem Kirchenschiff, musste eingeglichen werden. Nachdem sich auch die Polizei geweigert hatte, die Toten aus der Kirche zu schaffen, zeigte niemand mehr Interesse an dem Kauf.

Auch das Braurecht auf dem Klostergrundstück erhitzte die Gemüter. Die Bürgerschaft stemmte sich gegen jegliche Konzessionen an potentielle Käufer. Schließlich hatte man die städtischen Kommun-Brauhäuser, wo 47 brauende Bürger für den Bierbedarf der ganzen Stadt sorgten, immerhin auch 10.000 Gulden Biersteuer zahlten. Darum wiegelte der Landrichter die brisante Frage ab, brachte einen neuen Vorschlag ins Gespräch, nämlich den Umbau zu einem Kommun-Malzhaus. Damit ließ sich die Bürgerschaft versöhnen. Auch der Wasservertrag zwischen Stadt und Orden, datiert aus dem Jahre 1680, wurde aus den Schubladen gezerrt und den neuen Verhältnissen angeglichen. So führte erst der Versteigerungstermin am 15. Oktober 1803 zum Besitzwechsel der Kloster-Realitäten.

Eine Käufergemeinschaft von 20 Bürgern übernahm die Anlage um 12.500 Gulden, ein Preis, der weit über dem Schätzwert von 6.592 Gulden lag. Die Hälfte des Kaufpreises war binnen drei Monaten bar zu entrichten, die andere Hälfte wurde zu 4% verzinst. Der Kaufvertrag wurde dann erst am 1. Juni 1804 vom Kurfürsten endgültig gebilligt, wobei nochmals ausdrücklich auf die Verpflichtung zur Profanisierung der Kirche und zur Beseitigung der Gruft hingewiesen wurde. Auch eine beim Kloster gelegene Portiuncula-Kapelle, sowie 16 religiöse Bildsäulen waren einzureißen.

Die neuen Besitzer teilten die Klosterräume entsprechend den finanziellen Anteilen auf. Dabei entstanden komplizierte Besitzverhältnisse. Eine der 20 Anteilseigner war der Hechtenwirt Johann Seitz. Sein gleichnamiger Sohn, noch mehr aber sein Enkel, kauften in den folgenden Jahren Anteile auf oder vertauschten sie vorteilhaft. Aber erst 1863 gelang die Transferierung der Brau- und Wirtsgerechtigkeit. Dann erst konnte die Klosterbrauerei Seitz ihren Betrieb aufnehmen.

Schon wenige Jahre nach dem Verkauf schien der Staat die Säkularisierung des Klosters bedauern zu müssen. Im Jahre 1808 wurden die Gebäude, ohne Einwilligung der neuen Besitzer, ein Militärlazarett. Weil man den Soldaten die Schlüssel zu den Räumen nicht schnell genug aushändigte, sprengten sie die Türen auf und verjagten die Bewohner. Das Refektorium, das spätere Gastzimmer, diente als Krankenstube. Auch die Franzosen tauchten wieder auf und richteten im Chor der Kirche eine Feldbäckerei mit zwei Backöfen ein. Der ehemalige Kirchenraum diente jetzt als Naturalien-Magazin. Bei den willkürlichen baulichen Veränderungen im Kloster rissen die Handwerker teilweise die Wände der engen Mönchszellen heraus, um Baumaterial zu gewinnen. Willkommener Nebeneffekt für die kommenden Jahre: Die vergrößerten Räume eigneten sich besser für Wohnzwecke. Höheren Orts trug man sich damals sogar mit dem Vorhaben, im einstigen Kloster eine berittene Einheit mit 400 Pferden unterzubringen. Der große Garten mit einer Fläche von drei Tagwerken (= ein Hektar) bot sich als ideale Reitbahn an. In der Kirche wollte man Zwischenböden einziehen.

Doch die Kriegsereignisse von 1813 ließen diese Pläne nicht mehr reifen. Die rechtmäßigen Besitzer konnten wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Der König ließ seine Kasse sogar anweisen, den Eigentümern eine Entschädigung von 885 Gulden 30 Kreuzern auszuzahlen. In den folgenden Jahrzehnten wurde die ehemalige Kirche zu einer bloßen Scheune entwürdigt, zur praktischeren Verwendung sogar in drei Stücke unterteilt. Der Neumarkter Kupferschmied Christian Conzelmann kaufte 1854 das Mittelstück um 800 Gulden auf. Die Regierung genehmigte es, dass dieser Raum als Gottesdienstlokal für die kleine Evangelische Gemeinde unserer Stadt eingerichtet wurde. Am 3. Adventssonntag 1855 fand die Einweihung dieses schlichten Kirchenraumes statt. Er war die Kernzelle der jetzigen evangelischen Christuskirche Neumarkt.

Diakon Ernst Damm, 12.01.2006

 

Vom Kapuzinerkloster zum Evangelischen Zentrum

von Pfarrer Peter Loos

Unser damaliger geschäftsführender Pfarrer fasste die Geschichte des Gebäudekomplexes anlässlich der Eröffnung des Evangelischen Zentrums zusammen:

Cuius regio

Von 1525 – 1626 war die Bevölkerung Neumarkts evangelisch. In beiden Innenstadtkirchen wurde evangelischer Gottesdienst gefeiert. Mit dem 1. Oktober 1621 beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte unserer Stadt. Herzog Maximilian von Bayern fordert den Wechsel zur katholischen Kirche. Da es in der Stadt keine katholischen Geistlichen mehr gab, wurden Kapuziner für die Neumissionierung geholt. Herzog Maximilian ordnete an, dass alle Evangelischen aus der Stadt fortgeschafft werden müssen. 

Grundsteinlegung 1674

44 Jahre waren die Kapuziner schon in Neumarkt, als, nach dem Tod von Herzog Maximilian, sein Sohn Kurfürst Ferdinand Maria einen Klosterbau für sie erlaubte. Gleichzeitig mit den Klostergebäuden wurde die Klosterkirche gebaut. Die Grundsteinlegung fand 1674 statt. Zum Kirchenpatron wählte der Orden den Hl. Antonius von Padua.

Im Jahr 1769 öffnete in Bayern Kurfürst Max Josef III. der Aufklärung die Tore und den Bettelmönchen wurde das Betteln verboten. Damit entzog er den Kapuzinern ihre wirtschaftliche Grundlage. Der Neumarkter Kapuzinerorden stand damit vor dem wirtschaftlichen Ruin. Am 10. Juni 1802 feierten die Mönche zum letzten Mal eine Messe in ihrer Kirche. 

Streit ums Braurecht

Nach ihrem Abzug wurden Gebäude und Inventar zur Versteigerung ausgeschrieben. Der Kauf der Kirche war an die Bedingung geknüpft, dass in ihr keine religiösen Feiern stattfinden dürfen. Das Braurecht der Mönche auf dem Klostergrundstück erhitzte die Gemüter in der Stadt. 47 brauende Bürger der Stadt wehrten sich dagegen, dass ihnen eine Konkurrenz entsteht. So wurde die Klosterbrauerei zu einem Kommun–Malzhaus umgebaut. Die Klosterräume gingen an insgesamt 20 Besitzer, die sie unterschiedlich unter sich aufteilten. Diese unterschiedliche Aufteilung macht uns heute noch Probleme, so dass es uns nicht möglich war, das letzte Drittel zwischen unserem neuen Zentrum und der Christuskirche käuflich zu erwerben.

Die Entsakralisierung der Kirche war überdeutlich. Im Chor wurde eine Feldbäckerei eingeführt und der Kirchenraum diente als Naturalienmagazin. Später wurde sie zu einer bloßen Scheune entwürdigt und in drei Anteile unterteilt.

Der Neumarkter Kupferschmied Christian Conzelmann kaufte 1854 das Mittelstück auf. Die Regierung genehmigte, dass darin fortan für die kleine Evangelische Gemeinde unserer Stadt ein Gottesdienstraum eingerichtet werden konnte. Am 3. Adventssonntag 1855 war die Einweihung dieses schlichten Gottesdienstraumes. 

20 Jahre Pläneschmieden

Vor fast zwei Jahrzehnten haben wir im Kirchenvorstand damit begonnen, uns Gedanken über ein neues Gemeindezentrum zu machen. Es sollte in der Nähe der Kirche sein. Viele Ideen wurden verworfen und immer neue kamen ins Spiel. Im Mai 2004 war der Turm unserer Christuskirche bis zur Spitze eingerüstet. Damals stand ich mit dem damaligen Oberbürgermeister von Neumarkt Alois Karl ganz oben auf dem Gerüst. Der OB zeigte hinunter und sagte: „Das da unten, das wäre doch der ideale Ort für euer geplantes Gemeindezentrum“. Wer sich noch daran erinnert wie das damals aussah, der kann meine Skepsis verstehen. Es war ein riesiger Glücksfall, dass dann die Stadt Neumarkt unter OB Thumann diesen Plan aufnahm und das Architekturbüro Berschneider an Land zog.

Unser damaliger Dekan Dr. Dennerlein ist auf den anfahrenden Zug nicht nur aufgesprungen, sondern hat sich als Lokführer an die Spitze gesetzt. Die Verantwortlichen im Landeskirchenamt in München waren von unserem Plan begeistert und sagten zu, in den Umbau der ehemaligen Klostergebäude mit einzusteigen. Im Frühjahr 2013 hat der Kirchenvorstand einstimmig beschlossen, von der Stadt Neumarkt das Klostergebäude zu erwerben. 

Umbau startet am Reformationstag

Am Reformationstag, 31.10. 2014 war Grundsteinlegung, und der Umbau ging zügig voran. Die Stadt Neumarkt hat die ehemalige Klosterbrauerei zu einem großartigen Saal umgebaut, den wir als Kirchengemeinde zunächst für die nächsten 15 Jahre gepachtet haben. Die Segnung der Räume am 1. Advent war für unsere Kirchengemeinde ein großartiges Fest. Seit dem 1. Advent heißt es nun: "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Jetzt steht nicht nur unsere Christuskirche, sondern ein Evangelisches Zentrum mitten in der Stadt. Pfarramt, Dekanat, Bildungswerk und die Jugendarbeit haben ihren neuen Platz gefunden. In den Gruppenräumen kann sich unser vielfältiges Gemeindeleben entfalten und im Klostersaal feiern wir Gottesdienst.

Eine lange Planung hat ein wunderbares Ende gefunden. Erfreulich viele Menschen haben mit ihrer Spende dies ermöglicht. Ein paar Wochen darf ich selbst noch mit in unser neues Zentrum einziehen. Ich wünsche mir, dass all unsere Aktivitäten nie den eigentlich Sinn aus den Augen verlieren:

Soli Deo Gloria – Allein Gott zur Ehre.

Pfarrer Peter Loos, 2017

Fotogalerie Bauprojekt und Einweihung

Hier verweisen wir auf eine Fotogalerie mit 40 Fotos zur Umbaupauphase und der Einweihung des Evangelischen Zentrums Neumarkt i.d.OPf.

Fotogalerie Bauprojekt und Einweihung 

 

Nach der Renovierung / Die Auszeichnung

Eine Auswahl an Impressionen nach erfolgreicher Renovierung:

 

Mit Stolz erhielt das renovierte Klosterareal des Evangelischen Zentrums Neumarkt den Regionalpreis Niederbayern Oberpfalz als

Auszeichnung qualitätsvoller Architektur 2018 

vom Bund Deutscher Architekten (BDA). 

360-Grad Ansicht

Die Christuskirche

 

Die Christuskirche als wichtiger Teil des Ensembles "Evangelisches Zentrum Neumarkt" wird von uns in einem eigenen Menüpunkt auf dieser Homepage detailiert dargestellt. Wir verweisen an dieser Stelle mit diesem Link.

 

 

Der Kirchgarten